Ursprünglich als Tagesfahrt ins Auge gefasst, brachen wir letztendlich zu einem mehrtägigen Festival-Besuch gen Süden auf. Das Gepäck war in Rekordzeit im Auto verstaut (wer kann, der kann) und so machten wir uns bei angenehmem Reisewetter auf den Weg…

Wir hatten uns entschieden, einen Teil der Strecke über Landstraßen zu fahren. So umgingen wir diverse Baustellen auf der A7 und außerdem hatten wir ja Zeit, denn die erste Band, die wir wirklich sehen wollten, war für 01:15 Uhr in der Nacht angekündigt. So kamen wir denn auch ohne große Verzögerungen in Dinkelsbühl an und reihten uns sogleich in die wirklich kurze Warteschlange zum Einlass auf das Festivalgelände ein. Mit Festivalbändchen, Parkausweis und Müllsäcken ausgestattet ging es weiter in Richtung Campground, wo wir zügig unseren Platz zugewiesen bekamen – am Rand der Wiese, direkt am Weg, sodass wir der früheren Abreise am Samstag entspannt entgegensehen konnten. Jetzt aber erst mal ankommen: Pavillon aufbauen, Schlaflager einrichten, kurz durchatmen und mit einem kühlen Getränk anstoßen. Und dann war es endlich Zeit, das Festivalgelände zu entern…

 

Diese Bands haben wir beim Summer Breeze live erlebt:

Mittwoch

Knasterbart (T-Stage)

Knasterbart sind wohl der Inbegriff des Gossen-Folks und dass dieses Genre durchaus gefragt ist, ließ sich an der beträchtlichen Anzahl Festivalbesucher erkennen, die sich zu der sehr fortgeschrittenen Stunde vor der T-Stage tummelten. Und die Jungs auf der Bühne wussten genau, wie man die Menge zum Mitfeiern bewegen kann. Da wechselten sich launige, mitunter auch mal anstößige Ansagen mit ebensolchen Liedern ab. Von Mein Körper ist ein Tempel über Mein Stammbaum ist ein Kreis bis hin zu Lieber widerlich, wer nach dieser Setlist nicht endgültig auf Spaß-Modus umgeschaltet hatte, war selbst schuld – und hatte es sicher auch schwer, das Gossenabitur erfolgreich abzulegen 😉 Für uns auf jeden Fall ein gelungener Start ins Festival!

Donnerstag

Twilight Force (T-Stage)

Optisch eine etwas gewöhnungsbedürftige Mischung aus Elfen und Dementoren, brachten Twilight Force in musikalischer Hinsicht gepflegten Power Metal auf die Bühne, der nicht nur ins Ohr sondern auch in die Hüfte ging. Uns war schnell klar: diese Band haben wir nicht zum letzten Mal gesehen. Highlight der Show: das Crowdsurfing-Wettrennen zweier Fans zum FoH-Turm und zurück – auf aufblasbaren Drachen (-: 

Versengold (Main Stage)

Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass Versengold die Hütte zum Beben bringen. Aber die Show, die die Jungs in der ihnen zur Verfügung stehenden Stunde auf der Main Stage abfackelten, war einfach grandios. Mit Niemals sang- und klanglos als Opener kann man auch echt nicht viel falsch machen, die Menge hatte Bock auf Party. Die Jungs von Versengold offensichtlich auch. Einmal mehr wurde deutlich, dass Eike „Purple“ Otten ein echter Metaller ist und wenn man Flo beim ekstatischen Fideln zusieht fragt man sich doch schon mal, ob er seine Geige am Ende nicht auch mal gepflegt zertrümmern würde, wenn so ein Instrument nicht so verdammt teuer wäre. Aber zurück zur Show, die Setlist bestand vornehmlich aus Songs des aktuellen Albums Nordlicht. Natürlich durfte das Thekenmädchen nicht fehlen, aber auch der Teufelstanz und das politisch aussagekräftige Braune Pfeifen waren mit von der Partie. Von den Fans schmerzlich vermisst wurde Ich und ein Fass voller Wein – ist aber dann auch ein Grund, sich Tickets für die anstehende Tour der Jungs zuzulegen 😉

In Flames (Main Stage)

Melodic Death Metal – für die Mädels unserer Reisegruppe ist das eher so suboptimal. Wir stehen einfach nicht so drauf, permanent angebrüllt zu werden, Melodic hin oder her. Aber unser Marc hat sich todesmutig aufs Battlefield gewagt, dem Moshpit getrotzt und unermüdlich Crowdsurfer auf ihrem Weg zum Bühnengraben getragen. Die Band und die Show fand er gut. Ach was, er fand sie, Zitat: „richtig geil“! Und das lassen wir mal genau so stehen.

Avantasia (Main Stage)

Kommen wir jetzt zum Mädchenkram – würden einige böse Zungen nun behaupten. Dass Tobias Sammet mit Avantasia aber eines der erfolgreichsten Allstar-Projekte der Welt erschaffen hat, ist wohl unbestritten. Und dass die Jungs und Mädels auf der Bühne eine bewährt geile Show ablieferten, konnte auch jeder sehen. Zwei Stunden Spielzeit ist für eine Avantasia-Show echt knapp, deshalb fehlten leider Klassiker wie Avantasia oder Farewell. Dafür haut Tobi mit Let The Storm Descend Upon You den längsten Song (12 Min.) zu einem Zeitpunkt im Set heraus, an dem andere Bands schon das Licht ausmachen. Avantasia geben da nochmal so richtig Gas. Wenn Tobi dann die Menge zu Lost in Space-Chören animiert, wissen echte Fans, dass es dem Ende der Show entgegen geht. Nach dem Klassiker-Finale Sign Of The Cross/The Seven Angels verlassen Avantasia pünktlich die Bühne – wir hätten noch ein Stündchen gekonnt 😉

Battle Beast (T-Stage)

Mit Battle Beast gönnten wir uns noch einen musikalischen Absacker – den allerdings nur ein Teil von uns bis zum Ende genossen hat. Hat sich aber gelohnt, die Finnen lieferten eine echt gute Show auf der T-Stage. Auch diese Band werden wir uns noch einmal bei anderer Gelegenheit live ansehen.

Freitag

Beast in Black (Main Stage)

Man soll ja mit dem weitermachen, womit man aufgehört hat, also starteten wir mit einer finnischen Band in den neuen Festivaltag. Beast in Black gehören zu den Bands, die wir in diesem Jahr nicht zum ersten Mal live erlebt haben, trotzdem hat uns der Auftritt der Jungs schwer begeistert. Tanzbarer Power Metal mit eingängigen Refrains, die zum Mitsingen einladen. Unser absolutes Highlight: Sweet True Lies. Unser Fazit: immer wieder gerne.

Kissin‘ Dynamite (Main Stage)

Das Motto der Band: Bring back stadium rock! Dazu sagen wir: ganz genau! Kissin‘ Dynamite fackelten eine Show ab, die deutlich machte: diese Jungs sind für Open Air geboren! Wären sie an diesem Tag als Headliner angekündigt gewesen, hätte sich auch niemand gewundert. Von I’ve Got The Fire über Sex Is War bis You’re Not Alone – die Setlist ließ kaum Wünsche offen. Trotzdem waren nicht wenige überrascht, dass die Zeit so schnell verging und die Band nach einer Stunde mit Flying Colours das große Finale einläutete. Wir hätten nichts gegen eine Verlängerung gehabt 😊

Queensryche (Main Stage), Dragonforce (Main Stage), Skindred (Main Stage)

Um ganz ehrlich zu sein: diesen drei Bands konnten wir nicht unsere volle Aufmerksamkeit schenken, weil wir damit beschäftigt waren, uns vor der Sonne zu schützen. Auf der Festivalwiese so vor uns hindösend, haben wir aber trotzdem das ein oder andere mitbekommen. Zum Beispiel die Queensryche-Klassiker Operation:Mindcrime, Walk In The Shadows und Take Hold Of The Flame. Dragonforce ist eine Band, die man gut „nebenbei“ hören kann und das ist keinesfalls abwertend gemeint. Mit dem Reggae Metal von Skindred konnten wir dann allerdings nicht so viel anfangen. Wir meinen: entweder Reggae oder Metal, aber bitte kein Stilmix!

Airbourne (Main Stage)

Auf die Australier hatten wir uns wirklich gefreut, allerdings hielt nur einer von uns bis zum Ende durch. Die anderen beiden verabschiedeten sich zwischenzeitlich ins Camp, um einen nahenden Sonnenstich abzuwehren. Airbourne lieferten indessen Song um Song feinsten australischen Hard Rock ab, mit dem sie die Menge zum Feiern brachten. Wir kommen bei anderer Gelegenheit gerne nochmal wieder.

Hammerfall (Main Stage)

Da fieberst du wochenlang einem Ereignis entgegen und – Zack! – ist es auch schon wieder zu Ende. Mit dem Auftritt von Hammerfall fand unser Besuch auf dem Summer Breeze seinen musikalischen Abschluss. Und dieser war wirklich gelungen. Hammerfall, das ist Power Metal der alten Schule mit ordentlich Mähne-Schüttel-Charakter. Wer die Band noch nicht live erlebt hat, sollte das auf jeden Fall nachholen, es lohnt sich. Die Band hatte einige Klassiker mit im Gepäck, wie z. B. Blood Bound, Let The Hammer Fall oder Hearts On Fire. Und Oscar Dronjaks Gitarre in Form eines Hammers sollte man auch unbedingt mal gesehen haben. Der einzige Wehmutstropfen: At The End Of The Rainbow hat gefehlt. Zum Glück hatten wir das nachmittags schon vom Band gehört 😉

Unsere ganz persönlichen Highlights

Arlette: „Ich habe eigentlich kein Highlight… (höchstens, dass ich immer wieder erstaunt bin, was Versengold-Flo mit seiner Geige für ne Stimmung rausfideln kann 😉)…mich hat der Gesamteindruck „Summer Breeze“ echt nachhaltig beeindruckt…“

 

Carina: „Avantasia! Wenn Avantasia irgendwo dabei ist, ist das automatisch mein Highlight. Punkt.“

 

Marc: „5. Reihe bei Avantasia, Stimmung und alles bei In Flames“ (was auch immer der Mann mit „und alles“ meint 😉)

Unser Fazit

Das Summer Breeze Open Air ist definitiv eine Reise wert. Die Organisation ist der Hammer, für uns hat alles reibungslos geklappt. Das Festivalgelände und der Campground waren insgesamt sehr sauber. Richtig toll fanden wir auch die Shit ’n‘ Shower Stations, für die man für 12€ eine Flatrate-Nutzung erwerben konnte. Danke an die Helfer, die hier regelmäßig für Sauberkeit gesorgt haben.

Die Stimmung war an allen Festivaltagen unglaublich gut, vor allem sehr entspannt. Auch auf dem Campground war es sehr friedlich, der Umgang miteinander war insgesamt sehr wertschätzend. Wir waren zum ersten Mal auf dem Summer Breeze, aber garantiert nicht zum letzten Mal. Beim nächsten Mal vielleicht schon als Vereinsausflug 😉

(Für HeavyRocks on Tour: Arlette, Carina und Marc)

(alle Bilder: HeavyRocks e.V.)